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Zuhause töpfern – alles was Du wissen musst

Mir war bis vor kurzem nicht klar, dass es ganz einfach und günstig ist, zuhause zu töpfern. Dafür brauchst Du keine Drehscheibe oder viele Materialien. In diesem Beitrag findest Du eine komplette Anleitung.

Grundlagen

Ton wird schon eine sehr lange Zeit zum Töpfern verwendet: Funde bestätigen dies bis ca. 24.000 Jahre v. Chr. Zum Herstellen von Keramikwaren wird Ton in die gewünschte Form gebracht und anschließend getrocknet, sodass er hart wird. Allerdings ist der Ton in diesem Status sehr zerbrechlich. Es ist also oberste Vorsicht geboten. In der Regel brennt man Gebrauchston im Brennofen zweimal. Der erste Brand nennt sich Schrühbrand und die Brenntemperatur beträgt dabei bis zu 960 °C. Beim Schrühbrand wird dem Ton sämtliches Wasser entzogen und somit gehärtet. Richtig dicht wird der Ton dann im Hochbrand bis 1280 °C. Vor dem Hochbrand kann man seine Tongefäße glasieren. Glasur ist ein Gemisch aus Mineralmehlen, wie Gläser auch, und dient dem wasserdichten Verschließen von Keramik. Durch den gesamten Prozess verliert das Keramikstück ca. 10 % seiner ursprünglichen Größe.

Brennservice in deiner Nähe

Starte mit einer schnellen Recherche für den Brennservice. In großen Städten wie Berlin gibt es sehr viele Töpferstudios, die ihre Brennöfen auch anderen Menschen zur Verfügung stellen. Der Brennservice ist in der Regel wirklich sehr günstig. Man zahlt zwischen 4 und 10 € pro Kilo – je nach Brand. Viele Studios bieten auch einen Preis für einen kompletten Ofen an. Schließe Dich am besten mit dem Töpferstudio in Deiner Nähe einmal kurz. Frage nach, mit welchen Temperaturen normalerweise gebrannt wird. Das ist wichtig, damit Du den Ton und die Glasur entsprechend danach einkaufen kannst.

Materialien

Um zuhause zu töpfern, brauchst Du:

  • ein Nudelholz
  • eine Holzplatte als Arbeitsfläche
  • zwei Ausrollhölzer
  • einige Modellierhölzer
  • eine Drahtschlinge
  • einen kleinen Pinsel
  • einen Glasurpinsel
  • eine Schale mit Wasser
  • ein spitzes und dünnes Messer, z.B. ein Cutter-Messer
  • einen Lappen
  • einige Drehschienen, z.B. aus Holz, Edelstahl
  • einen Gummischaber
  • ggf. Holzstempel und Ausstechförmchen

Der richtige Ton

Für 10 kg Ton bezahlt man zwischen 4 und 8 €. Bei der Auswahl von Ton sind der Brennbereich, der Schamottanteil und die Farbe zu beachten.

Der Brennbereich sollte, wie oben beschrieben, zu dem Töpferstudio passen, in dem Du Deine Keramik brennen lässt. Es gibt z.B. Tonmassen, die besser bis zu einer bestimmten Temperatur gebrannt werden und nicht darüber. Ich lasse meine Getöpferten Sachen erst im Schrühbrand und dann im Hochbrand bei 1230 °C brennen und benötige daher eine Tonmasse, die es „sehr heiß“ mag.

Schamotte ist bereits gebrannter Ton, der fein gemahlen dem rohen Ton hinzugefügt wird. Beim Töpferbedarf kann man Tonmassen mit unterschiedlichen Schamottanteilen und Größen kaufen. Für die Arbeit an der Drehscheibe ist Ton ohne Schamottanteil empfehlenswert, da es sonst an den Fingern schmerzhaft werden kann. Für größere Keramik oder für die Aufbautechnik sind Schamotte aber wichtig, da sonst die notwendige Stabilität beim Töpfern schwer erreicht werden kann. Am Ende ist das eine Frage des Ausprobierens, womit Du besser klarkommst und welche Art von Ton Dir mehr Spaß macht.

Die Farbe ist eine Geschmackssache. Es gibt rötliche und eher sandfarbene oder weiße Tonsorten. Einige erhalten ab einer gewissen Brenntemperatur sogenannte Spots, also kleine Flecken, die dem Tonwerk ein gewisses Etwas geben können.

Ich nutze gerne diesen Ton von Carl Jäger: 20 % Schamotte, fein gemahlen bis 0,2 mm, hochbrennbar bis 1280 °C in der Farbe Weiß ohne Spots.

Das Töpfern

Ich töpfere am liebsten mit der Plattentechnik, die ich Dir hier kurz näher bringe. Bei der Plattentechnik wird die Tonmasse wie beim Kekse backen mit dem Nudelholz ausgerollt und anschließend in Platten geschnitten, die dann zusammengesetzt werden.

Beim Ausrollen solltest Du beachten, dass sich keine Luftblasen bilden, denn diese können dazu führen, dass das Keramikstück beim Brennen platzt. Wenn Du eine Luftblase siehst, kannst Du sie mit einem Cutter-Messer schräg angewinkelt aufpieksen, dann mit dem Finger die Luft rausdrücken und so gleichzeitig die Stelle wieder verschließen. Außerdem hilfreich sind die oben abgebildeten Hölzer, auf denen Du das Nudelholz rollen kannst. Sie dienen dazu, dass die Tonplatte überall die gleiche Stärke hat. Rolle den Ton nicht zu dünn aus – idealerweise ist er 0,5 cm dick.

Das Zusammensetzen der Tonplatten ist der aufregende Teil. Raue hierfür die Stelle an der sich die beiden Platten treffen z.B. mit dem Cutter-Messer auf. Der Ton braucht für das Verbinden Feuchtigkeit. Du kannst entweder mit einem Pinsel Wasser auf die Kante auftragen oder Du verwendest Schlicker, also selbst hergestellten Tonkleber. Schlicker ist sehr einfach herzustellen. Nimm einfach einige alte getrocknete, noch nicht gebrannte Tonreste, gebe sie in ein Marmeladenglas und fülle es mit Wasser auf. Nun kannst Du dabei zuschauen, wie sich der getrocknete Ton auflöst. Wenn nach ca. 15 Minuten keine Tonklumpen mehr vorhanden sind, kannst Du das überschüssige Wasser abschütten und einmal kräftig umrühren – schon hast Du Schlicker. Diesen trägst Du dann also mit einem kleinen Holzstab auf die eingeritzte Kante auf und setzt die andere Platte dagegen. Nun verstreichst Du den Ton z.B. mit den Fingern oder einem Modellierholz an der Kante so, dass anschließend keine Rille mehr zu sehen ist. Sollte es an einer Stelle dünn werden, kannst Du auch noch eine kleine Tonwulst hinzugeben, um so zusätzlich für Stabilität zu sorgen.

Zu guter Letzt werden die Kanten geglättet und alles schön glatt gestrichen – ganz so wie Du es haben möchtest. Anschließend wird die Tonarbeit für mindestens 3 Tage zum Trocknen hingestellt, bevor es in den Schrühbrand kommt.

Die richtige Glasur

Für das Glasieren in kleinem Umfang zuhause bieten sich Flüssigglasuren zum Pinseln an. Große Anbieter sind z.B. Botz und Carl Jäger. Auch bei der Glasur muss auf den Brennbereich geachtet werden. Da ich meine Sachen wie oben beschrieben im Hochbrand brennen lasse, brauche ich die entsprechenden Glasuren, die diesen Temperaturen standhalten können. Nicht alle Glasuren sind für Geschirr geeignet, da sie nicht säurebeständig sind. In der Regel ist das in den Onlineshops aber groß gekennzeichnet und somit nicht zu übersehen. Außerdem ist beim Kauf darauf zu achten, ob eine Glasur glänzend, seidenmatt oder matt ist.

Ein wichtiger Hinweis noch an dieser Stelle: Flüssigglasur kann eine komplett andere Farbe haben, als die, die sie nach dem Brand annehmen soll. Sei nicht verwirrt, wenn Du Deinen Eimer öffnest und obwohl Du eigentlich blau glasieren wolltest, eine rote Flüssigkeit vorfindest.

Ich nutze gerne diese Flüssigglasur von Carl Jäger: Brennbereich zwischen 1200 und 1260 °C, bordeauxrot, glänzend, für Geschirr geeignet, für ca. 7 € / 500 ml.

Das Glasieren

Wenn ein Keramikstück geschrüht wurde, kann die Flüssigglasur aufgetragen werden.

Ganz wichtig vorab sind zwei Dinge:
1. Rühre Deine Glasur gut um, so dass sich keine Klümpchen mehr darin befinden. Das kann manchmal ein bisschen dauern.
2. Suche Dir eine Fläche aus, die Du nicht glasieren wirst. Auf dieser Fläche muss dann das Stück im Brennofen stabil liegen können.

Sorge dafür, dass sich keine Fussel mehr auf der Tonarbeit befinden. Im Zweifelsfall tauchst Du Deine Arbeit einfach kurz in Wasser. Das ist auch besonders zu empfehlen, wenn Du z.B. mit einem Holzstempel ein Relief eingearbeitet hast. Durch das Wasser kann dann die Glasur leichter in die Rillen eindringen. Mit dem Pinsel trägst Du die Glasur dick auf Dein geschrühtes Werk auf und wartest bis der Glanz vergeht und die Glasur antrocknet. Anschließend wiederholst Du das Auftragen mit dem Pinsel noch ein oder sogar zweimal. Wenn sich kleine Bläschen bilden, kannst Du diese mit dem Finger wegstreichen.

Abschließend nimmst Du Dir einen feuchten Lappen und siehst Dir noch einmal ganz genau die Seite an, auf der die Keramik im Ofen dann liegen wird. Mit dem Lappen kannst Du dann Glasurreste von der Seite wegwischen. Es ist wirklich wichtig, dass auf dieser Seite dann kein Tropfen Glasur mehr zu finden ist, denn die Glasur wird beim Brennen so hart, dass sie auf dem Boden des Brennofens haftet. Das Tonstück kann man dann nur entfernen, in dem man es zerschlägt – und das wäre ja wirklich schade. Also sieh‘ Dir am besten auch die Kanten genau an, die zur unteren Seite zeigen und entferne auch dort ca. 1 – 2 mm die Glasur, so dass ein kleiner glasurfreier Rand entsteht. Dann bist Du auf der sicheren Seite.

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